Lebensversicherung
Die Ich-Erzählerin in Kathrin Bachs Debüt erzählt ihre Familiengeschichte anhand von Versicherungsarten, die sie durch ihre Eltern, die Versicherungen verkaufen, kennenlernt: Haftpflicht-, Hausrat-, Berufsunfähigkeits-, Pflege-, Reisekrankenversicherung
usw. „Angst“ kommt überall vor, „denn die nächste Katastrophe ist immer nur einen Anruf entfernt“. In witzigem Ton erzählt sie davon, wie Kunden selbst im Freibad nach der Bearbeitung des Wasserschadens fragen, oder sich über eine Beitragserhöhung ärgern. Ihre Mutter kennt die Krankheiten von ca. 90 % der Menschen im Dorf. Immer wieder werden Schäden, Unfälle, Einbrüche, Brände und Todesfälle von ihren Eltern reguliert. Sie gehen zu allen Beerdigungen ihrer Kundinnen und Kunden. Angst und Humor verbinden sich in diesem Buch auf tragisch-komische Weise und oft so wunderschön formuliert: „Eine Plüschkatze verliert beim Besuch eines wilden, bei uns versicherten Hundes ihre Nase“. – Formal ist der Roman ungewöhnlich, kurze Kapitel mit erzählenden Passagen wechseln sich mit (Check-) Listen und Erläuterungen zu den diversen Versicherungen ab, alles in blau gehalten. Humorvoll weckt er Erinnerungen an die neunziger Jahre und hinterfragt das ewige Bedürfnis nach Sicherheit. Empfehlenswert. (Nominiert für den Deutschen Buchpreis)
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Lebensversicherung
Kathrin Bach
AZUR (2025)
237 Seiten : Illustrationen (farbig)
fest geb.