Rituale
"Rituale gleichen bewohnbaren und kulturspendenden Oasen." (S. 70) Damit bringt Klaus Dirschauer die strukturierende und heilsame Bedeutung von Ritualen für den eigenen Lebensweg auf den Punkt: Sie sind "bewohnbar" und geben somit Sicherheit und Regelmäßigkeit.
Gleichzeitig sind sie "kulturspendend" und helfen bei der Sinn- und Identitätssuche. Der evangelische Theologe und langjährige Ausbilder von Geistlichen und kirchlichen Mitarbeitern bietet seinen Lesern einen kurzen aber umfassenden Überblick über religiöse und weltliche Rituale, wenngleich er den Fokus verstärkt auf die christlichen Riten als das, wie er schreibt, "Herz der Religion" (S. 9) legt. Dabei geht er gleichermaßen auf evangelische wie auch katholische Riten ein, so thematisiert er z.B. auch die katholische Heiligenverehrung. Hauptsächlich beschränkt sich der Autor auf die Beschreibung von Bräuchen, selten übt er dabei Kritik an der säkularen Tendenz, die bestehenden Riten zu einem Event auszuhöhlen und dadurch zu verwässern. Der schmale Band ist ein guter Begleiter durch die Festkreise des Kirchenjahres und dient darüber hinaus auch als kleines Nachschlagewerk. Denn nach den Erörterungen zur Entstehung und Bedeutung verschiedenster Bräuche schließt sich ein gut vierzigseitiges Glossar an, in dem unterschiedliche Begriffe wie beispielsweise das Fasten oder der Zapfenstreich erläutert werden. Ein gelungenes Überblickswerk, das sich hervorragend für die Gemeindearbeit oder für die Vorbereitung des Religionsunterrichts eignet.
Sebastian Heuft
rezensiert für den Borromäusverein.
Rituale
Klaus Dirschauer
Donat-Verl. (2014)
143 S.
fest geb.