Mirador
"Mirador" beschreibt die Entstehungsgeschichte des gleichnamigen Gemäldes von Johann Moritz Rugendas auf eine äußerst lebendige Weise, sodass man das Gefühl hat, Teil des Geschehens zu sein. Das Gemälde zeigt eine von Deutschen in Mexiko betriebene
Hacienda in einer farbgewaltig ausgestalteten Landschaft. Der romanhafte Charakter des Buchs wird besonders in den Passagen sichtbar, in denen nicht nur biografische Fakten erwähnt, sondern auch mit den vermeintlichen Gefühlen und Eindrücken der Personen ausgeschmückt werden. Außerdem vermittelt der Roman einen Einblick in die mexikanische Kultur. Dabei werden nicht nur Bräuche und Gerichte beschrieben, sondern auch die Sprache mit eingebunden. Die Lebensgeschichte des Künstlers und seiner Nachfahren wird auf eine ganz besondere Weise dargestellt, wobei die Verbindung mit dem Gemälde und dem dort abgebildeten Ort nie in Frage gestellt wird. Insgesamt ist "Mirador" definitiv lesenswert, selbst wenn man noch nie ähnliche Titel gelesen hat – Kunstgeschichte in Romanform. Für kunstinteressierte Leser:innen, die einen großen, aber unbekannten deutschen Maler näher kennenlernen wollen.
Melina Pishegar
rezensiert für den Borromäusverein.
Mirador
Marie Gaté
STROUX edition (2025)
203 Seiten : Illustrationen (farbig)
fest geb.