Die Formel der Hoffnung
Im Vergleich zur Forscherin Elizabeth Zott aus dem Bestseller „Eine Frage der Chemie“ ist im vorliegenden Roman die klinische Epidemiologin Dorothy Horstmann eine historische Figur, die sich ab den 1940er-Jahren zusammen mit vielen männlichen
Kollegen in den USA der Erforschung der Poliomyelitis-Erkrankung verschrieben hat. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und hat es mit Beharrlichkeit und Mitgefühl geschafft, sich in der männlich dominierten, konkurrierenden Wissenschaftsgemeinschaft zu behaupten. Eine zentrale Frage dabei ist die Erforschung des Übertragungsweges von Mensch zu Mensch und die Verbreitung des Virus' im Körper. Aber der Weg zu einem wirksamen Impfstoff ist noch weit, denn durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bzw. mit der Bombardierung von Pearl Harbor werden die Ressourcen knapp für die Forschung zum Krankheitsbild Kinderlähmung. Nach dem Krieg begleitet die Leserschaft Dr. Horstmann bis ins Jahr 1960, als es nach Rückschlägen und Durststrecken endlich gelang, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Die Schluckimpfung nahm weltweit der Krankheit ihren Schrecken. Nach den kürzlichen Erfahrungen mit der Corona-Pandemie können die Leser:innen in dieser Geschichte gut nachvollziehen, wie lebensnotwendig eine unabhängige Wissenschaft und die sorgsame Herstellung eines Impfstoffes sind. Eine fundierte, gut unterhaltende Lektüre mit fiktionalen Anteilen, welche ebenfalls, wie „Eine Frage der Chemie“, eine breite Leserschaft mit medizinhistorischem Interesse ansprechen kann. Für alle Bestände gerne empfohlen, da sie eine beachtenswerte weibliche wissenschaftliche Karriere in den Mittelpunkt stellt zu einer Zeit, als Frauen es noch sehr schwer hatten, eigene berufliche Ziele zu verfolgen.
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Formel der Hoffnung
Lynn Cullen ; aus dem amerikanischen Englisch von Maria Poets
Fischer (2023)
463 Seiten
fest geb.