Als Mama einmal unsichtbar war
Der Titel des Bilderbuches lässt eine spannende oder auch witzige Geschichte erwarten - doch es geht um die Krebserkrankung der Mutter. Unsichtbar werden nach und nach viele Dinge: Die Sprache, weil viele Menschen nicht wissen, wie sie mit der Erkrankten
umgehen sollen, die Kraft der Kranken schwindet, dann ihr Appetit, schließlich die Haare, dann verschwindet die Mutter immer wieder selbst im Krankenhaus oder im abgedunkelten Zimmer zu Hause. Die kleine Tochter Henriette, Hennie, versteht diese unsichtbare Krankheit nicht, denkt an die Krebse am Meer und stellt sich eine gefährliche Krebsmaschine vor. Sie reagiert zunächst mit ungeheurer Wut auf die Veränderungen und das starke Gefühl der Verlassenheit, sucht immer wieder den körperlichen Kontakt zur Mutter, die erklärt und, wenn möglich, Nähe gewährt. Es zeichnet sich am Ende eine positive Perspektive ab. Die Illustrationen, besonders hervorzuheben ist die Farbwahl, sind gelungen bei der Darstellung des schwierigen Themas, bei der Verdeutlichung der großen Gefühle von Tochter und Mutter. Doch es ist ein Buch für den privaten Raum, nicht eines, was ohne Grund zum Vorlesen ausgeliehen wird - der Titel könnte aber dazu verführen.
Barbara Schürmann-Preußler
rezensiert für den Borromäusverein.
Als Mama einmal unsichtbar war
Julia Rosenkranz ; mit Illustrationen von Nele Palmtag
Klett Kinderbuch (2023)
[32] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4