Der Kobaltkanzler
Die AfD gewinnt die Bundestagswahl und wird mit Abstand stärkste Partei. Die Optionen liegen auf dem Tisch: eine Koalition aller gegen die AfD oder eine Koalition mit der CDU als Juniorpartner. Konrad Frotzeck wird Kanzler, Johann Korn sein Stellvertreter
und nach der Hälfte der Legislatur sollen die Posten getauscht werden. Hass wird geschürt, Intrigen nehmen ihren Lauf, das etablierte politische System, die Medienwelt und die Zivilgesellschaft taumeln von einer Erschütterung in die nächste. Es wird klar, wie fragil unsere Demokratie ist und wie einfach bestehende Gewissheiten beiseite geräumt werden können. – Als langjähriger Chefredakteur des "Stern" kennt Jörges viele politische und mediale Akteure aus eigener Anschauung, was seinem Roman viel Realitätsnähe gibt. Die internationalen Verwerfungen der letzten Wochen konnte Jörges zwar nicht vorhersehen, trotzdem liest sich vieles erschreckend aktuell. Manches was von Jörges vielleicht mal satirisch gemeint war, ist inzwischen in den Bereich des Möglichen gerückt. Die Dialoge sind leider recht hölzern und die Figuren ziemlich eindimensional, das ist schade, aber das Szenario ist wirklich aufrüttelnd und das Buch darum auch sehr lesenswert!
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Kobaltkanzler
Hans-Ulrich Jörges
Osburg Verlag (2025)
252 Seiten
fest geb.