Rampensau ohne Bühne
Als im März 2020 der Corona-Welle in unserem Land mit einem allgemeinen Lockdown begegnet wurde, war es mit dem Auftreten von Künstlern erstmal vorbei. M. Altinger gewährt mit seinen Tagebuchnotizen auf seine sehr humorvolle Art den Blick in seine
Welt des Lockdowns. Zwischen Traum und Wirklichkeit stellt er sich vor, wie er als Kabarettist sein Publikum bei einem Auftritt vor seinem Haus begeistert, doch dieser Tagtraum währt nicht lange - seine Frau näht aus seinen Bühnenhemden Mundschutzmasken. Dann gesteht ihm ein Nachbar, dass er alle Personen in der Nachbarschaft überwacht, so auch seinen Alkoholkonsum genau kenne und den Geschmack noch etwas verbesserungswürdig finde. Altinger singt beim Händewaschen, interpretiert bekannte Lieder, liefert eigene Arrangements und freut sich, als schließlich wieder der Alltag mit Auftritten beginnen soll, wenn da nicht die Hygienebeschränkungen und die seltsamen Forderungen der Vertragspartner wären. Die Tragik der Coronaerkrankung wird nicht erwähnt. Es bleibt immer eine Gratwanderung, was man über diese Zeit guten Gewissens in einem Kabarettprogramm machen darf und kann. Altinger hat aus seinem persönlichen Erleben geschildert, aus der Sicht eines Künstlers, der arbeiten will - kurzweilig mit einem Augenzwinkern und so ist ihm der Spagat doch gut gelungen.
Susanne Elsner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Rampensau ohne Bühne
Michael Altinger
SüdOst Verlag (2021)
1 CD (78:50 min)
CD