Der Verrückte vom Feiheitsplatz

Ein Junge zieht durch Bagdad mit seinem mordwütigen Bruder, ein Afghane wird von Mitflüchtlingen in einem ungarischen Fluss ertränkt, ein LKW voller Leichen junger Männer steht in Serbien: Die Geschichten von Hassan Blasim wetteifern um das schrecklichste Der Verrückte vom Feiheitsplatz Ereignis. Und das genau ist ihr Prinzip. In der Eröffnungserzählung des Buches "Der Verrückte vom Freiheitsplatz" stehen die Leute vor dem (halbfiktiven) irakischen Erinnerungssender Radio al-Dhâkira Schlange, um ihre traumatischen Erfahrungen an den Krieg loszuwerden, der auch nach dem Tod des Diktators weitergeht. Grauenvoll sind die Begebenheiten, meist ist der Mensch dem Menschen ein Wolf in diesen Geschichten. Das Erzählen lindert nicht den Schmerz. Aber es zeigt, dass es falsch wäre, über Folter, Verstümmelung, Vergewaltigung und Krieg zu schweigen, auch weil es immer wieder Menschen gibt, die ihrem Mitmenschen helfen. Es gibt "keine Fantasie ohne Wahrheit", heißt es einmal. Man kann sich vorstellen, wie viel davon dem Autor selbst zu Ohren (und vor die Augen) gekommen ist. Hassan Blasim hat an der Filmhochschule in Bagdad studiert und ist vor den Häschern Saddams 1998 nach Kurdistan, zwei Jahre später nach Finnland geflohen. Seine von Fuentes und Bolaño beeinflussten Kurzgeschichten sind dunkel und rauh, eine absurde Mischung aus Terror und Hoffnung. (Übers.: Hartmut Fähndrich)

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Verrückte vom Feiheitsplatz

Der Verrückte vom Feiheitsplatz

Hassan Blasim
Kunstmann (2015)

255 S.
fest geb.

MedienNr.: 582263
ISBN 978-3-95614-058-7
9783956140587
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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