Die Geschichte meiner Zähne
Ich-Erzähler Gustavo Sánchez Sánchez arbeitet 19 Jahre lang als Wachmann in einer mexikanischen Saftfabrik, bis er eines Tages beschließt, Auktionator zu werden. Hierin findet er seine Berufung. Er schafft es, eine Banane für 750 Pesos zu versteigern,
weil er eine Geschichte dazu verkauft. Seine Vorgehensweisen bei den Versteigerungen teilt er in fünf Typen ein, die nicht zufällig literarischen Kategorien zugeordnet werden können und auch die Kapiteleinteilung des Buches bilden. Somit wird klar, wohin die Geschichte läuft: Der Plot ist hanebüchen, das Ganze ein kunstvolles literarisches Spiel, das sich durchaus witzig liest. Durch eine ominöse Karies verliert Sánchez alle Zähne. Als auf einer Auktion das Gebiss von Marilyn Monroe angeboten wird, ersteigert er es und lässt es sich implantieren. Später versteigert er weitere Gebisse berühmter Persönlichkeiten, wobei er die Zähne als "metonymische Reliquien" anpreist. - Am Ende wechselt die Erzählstimme zum Schriftsteller Beto, der "die dentale Autobiografie des größten Helden des Viertels" schreibt. Ab Seite 143 (von 190 S.) verliert man als Leser zunehmend das Interesse an der Geschichte, die sich nun mehr und mehr in Anspielungen auf Details des Viertels verliert. - Für literarisch interessierte Leser, in größeren Beständen. (Übers.: Dagmar Ploetz)
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Geschichte meiner Zähne
Valeria Luiselli
Kunstmann (2016)
190 S. : Ill.
fest geb.