Das Cabaret der Erinnerungen

Lena, die Frau des französischen Ich-Erzählers Samuel, hat einen kleinen Jungen geboren. Am kommenden Morgen will Samuel die beiden im Krankenhaus abholen. In der Nacht, die er allein in der Wohnung zubringt, überwältigen ihn die Erinnerungen an Das Cabaret der Erinnerungen seine Familie, die zum großen Teil im Holocaust umgekommen ist, und an seine Kindheit und Jugend. Sein Großvater, der während des Krieges von Nachbarn versteckt wurde, hat eine Schwester, Rosa. Rosa hat Auschwitz überlebt, nach Kriegsende Frankreich verlassen und ist in die USA ausgewandert. Sie soll dort ein Cabaret betreiben, in dem sie vom Grauen und von ihrer Scham, davongekommen zu sein, erzählt. In den Sommerferien bei den Großeltern in den Vogesen hat die geheimnisvolle Rosa stets die Fantasie der Kinder angeregt. Samuel hat Rosa nur einmal bei der Beerdigung des Großvaters gesehen. Der frischgebackene Vater hat Angst, dass die Opfer vergessen werden. - Joachim Schnerf weist in seinem dritten Roman (zuletzt „Wir waren eine gute Erfindung", BP/mp 19/949) angesichts der schwindenden Anzahl von Holocaustüberlebenden auf die Bedeutung der Erinnerungskultur hin. Das schmale Buch zeigt eindrücklich und nicht ohne Humor, wie die Traumata bis in die Enkelgeneration hineinreichen. Ein wichtiges Buch!

Susanne Emschermann

Susanne Emschermann

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Cabaret der Erinnerungen

Das Cabaret der Erinnerungen

Joachim Schnerf ; aus dem Französischen von Nicola Denis
Verlag Antje Kunstmann (2023)

123 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 613465
ISBN 978-3-95614-534-6
9783956145346
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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