NOVA
Davide Ricci ist ein erfolgreicher Neurochirurg und hat sich mit Ehefrau Barbara und Sohn Tommaso ein behütetes Leben aufgebaut. Vor direkten Konfrontationen mit seinem erratisch agierenden Vorgesetzten oder dem zwielichtigen Nachbarn schreckt er
in der Regel zurück. Als eines Tages ein Betrunkener seine Frau in einem Restaurant bedrängt, erstarrt Davide und kann nur aus der Ferne beobachten, wie ein fremder Mann Barbara zur Hilfe eilt. In den darauffolgenden Wochen entwickelt Davide eine regelrechte Obsession mit dem Fremden und seiner Philosophie, dass Gewalt auch in der vermeintlich zivilisierten Gesellschaft als Faktor nicht vernachlässigt werden darf. Er beginnt, Kampftechniken zu trainieren und seinen Standpunkt mit Drohungen zu untermauern; doch auf manche Situationen kann ihn auch seine zunehmende Eskalationsbereitschaft nicht vorbereiten. - Die grundlegende Frage, inwiefern unser Bewusstsein für und unser Verhältnis zu Gewalt (zu) gezähmt ist, ist zweifellos faszinierend und wird im Roman gekonnt auf die Spitze getrieben. Der Schreibstil hingegen ist gespickt mit neurowissenschaftlichen Fachbegriffen und anderen Fremdwörtern, was eine gewisse Schwerfälligkeit im Lesefluss erzeugt. Aus diesem Grund nur für geduldige Leser/innen zu empfehlen.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
NOVA
Fabio Bacà ; aus dem Italienischen von Christine Ammann
Verlag Antje Kunstmann (2023)
286 Seiten
fest geb.