Der Junge, der mit dem Herzen sah
Milo leidet unter einer seltenen Augenkrankheit, die ihn nur mehr eingeschränkt sehen lässt. Dennoch ist er mit 9 Jahren ein recht aufgeweckter Junge, der auch schon mal Verantwortung für seine alleinerziehende Mutter Sandy übernimmt, welche mit
ihrer gescheiterten Ehe hadert und von Erwerbslosigkeit bedroht ist. Außerdem pflegt Milo ein herzliches Verhältnis zu seiner altersdementen Urgroßmutter Lou, die im gemeinsamen Haus lebt, bis Sandy sie nach einem selbstverschuldeten Küchenbrand in ein angeblich seriöses Altenheim verfrachtet. Dem aufmerksamen Milo fallen dort zunehmend Ungereimtheiten im Pflegebetrieb auf - etwa die hygienische Vernachlässigung vieler Senioren oder deren Ruhigstellung mit Tabletten. Im Heim freundet er sich mit dem aus Syrien geflohenen Koch Tripi und einem ebenfalls im Heim wohnenden Verehrer von Lou an; gemeinsam mit Milos zahmem Hausferkel Hamlet versuchen sie, die Machenschaften der Oberschwester aufzudecken. - Für ihren Erstlingsroman hat die Autorin schon viel Schicksalhaftes zusammengebraut und humoristisch ausgestaltet - Kuschel-Ferkelchen und betagter Grieche auf Freiersfüßen inklusive; auch eine zarte Lovestory zwischen frustrierter Alleinerziehender und illegalem Flüchtling (als aktueller Beitrag) darf nicht fehlen. Die angenehm-schmeichelnde Stimme von Sprecher Christian Baumann hebt das ansonsten heiter-anspruchslose Niveau des Erzähltextes beträchtlich. - Bei Bedarf möglich.
Thomas Geigenberger
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Junge, der mit dem Herzen sah
Virginia MacGregor. [Sprecher: Christian Baumann]
audio media (2015)
5 CD (ca. 371 Min.)
CD