Die letzte Einstellung
Vom NS-Regime auf die "schwarze Liste" gesetzt, beschließt Heinz Hoffmann, dennoch in Berlin zu bleiben. Als seine Wohnung bei einem Fliegerangriff zerstört wird, kommt er bei seiner ehemaligen Freundin Erika unter. Sie arbeitet als Filmassistentin
bei der UFA und vermittelt Hoffmann eine Arbeit als Ghostwriter für das Drehbuch zum Filmprojekt "Das Leben geht weiter". Mit größtem personalem und materiellem Aufwand wird dieser Durchhaltefilm noch bis in die letzten Kriegstage gedreht. Für Hoffmann bedeutet dies zwar die Rettung aus materieller Not, doch wollte er diese Kooperation mit dem NS-Regime in der Nachkriegszeit unbedingt verschleiern. – Diese umfangreiche Graphic Novel wirft ein Licht auf das Medium Film als Instrument der Propaganda. Die Hauptfigur ist leicht erkennbar Erich Kästner nachempfunden; das Filmprojekt der UFA gab es tatsächlich. Wie Kästner lebt Hoffmann viele Jahre in der inneren Emigration und in der Grauzone zwischen Widerstand und Opportunismus. Dieser Konflikt ist das große Thema dieser biografischen Erzählung, der noch ein sehr informatives Nachwort und ein Personenregister angefügt wurden. Dabei wird die Geschichte filmisch behandelt, mit einer Rahmenhandlung, mit Innen- und Außenaufnahmen, mit vielen Panels, die an Kamerabildern orientiert sind. Besonderes Augenmerk gilt den letzten Drehtagen des Films mit Massenszenen und Großaufnahmen, die bis zuletzt der Propaganda zuarbeiten. Auch das historische Setting ist stimmig wiedergegeben, von den Straßen- und Büroszenen bis zu den Dialogen im Berliner Jargon. So ist diese Arbeit auch als Sozialstudie eines Regimes zu lesen, in dem der Glaube an den "Endsieg" schwindet und der individuelle Überlebenskampf übermächtig wird.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die letzte Einstellung
Isabel Kreitz
Reprodukt (2025)
307 Seiten
fest geb.