Zwei weibliche Halbakte
Von der Entstehung 1919 bis zur letzten Hängung im Jahr 2000 lässt das Bild "Zwei weibliche Halbakte" den Künstler, seine Musen, Kunstsachverständige und -kritiker, Politiker der nationalsozialistischen Zeit sowie andere mehr oder minder relevante
Personen und Situationen Revue passieren. Otto Müllers künstlerisches Schaffen und Selbstverständnis als auch sein Privatleben werden ebenso eindrucksvoll dargestellt wie der Umgang mit dem Bild selbst und seine Rezeption als "Entartete Kunst" bzw. wertvolles Werk des Expressionismus. Das Gemälde selbst wird den Leser:innen erst am Ende der Graphic Novel als Interpretation des Comic-Zeichners Luz erschlossen. – Ein hervorragend umgesetztes Projekt, in erzählerischer als auch zeichnerischer Perspektive. Die reduzierte, teils eher düstere Farbgebung, die Auflösung starrer Panels, die ungewohnte Sicht (bruchstückhafte, flüchtige Blickfetzen auf den Künstler, Eindrücke des Geschehens durch Verpackungskordel oder -kistenbretter) verleihen diesem Werk einen besonderen künstlerischen Stellenwert, der bereits mit der Comic-Auszeichnung "Fauvre d'or" entsprechend gewürdigt wurde. – Sehr empfehlenswert für gut sortierte Comic-Bestände.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Zwei weibliche Halbakte
Luz ; aus dem Französischen von Lilian Pithan
Reprodukt (2025)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.