Frau Fünf

Mirjam wird unerwartet von ihrem Lebensgefährten Martin verlassen und will die Lebenssituation, in die sie nun unfreiwillig geworfen ist, nicht wahrhaben. Die Fürsorge einer überbetulichen Freundin lehnt sie ab und ergeht sich in Visionen einer Frau Fünf Rückgewinnung des verflossenen Liebsten. Sie investiert persönlich und materiell in Detektivarbeit und deckt eine neue Liebe Martins auf, die sie ihm aber als willentlich ausgesucht abspricht. Der Zufall schmiedet eine, aus Mirjams Sicht, scheinbare Freundschaft zwischen der Neuen und der Ex. Mirjam sieht darin die Chance, Martin noch dichter observieren zu können und alles für den Augenblick vorzubereiten, in dem er wieder um Mirjams Liebe bettelt. Die Realität leugnend und um Martin auf Augenhöhe begegnen zu können, stürzt sich die weibliche Heldin noch in sexuelle Abenteuer, die sowohl das Entsetzen wie auch das Vergnügen ausloten. Abrupt muss sich Mirjam mit dem plötzlichen Tod der von ihr abgelehnten Mutter auseinandersetzen. Und obwohl dieses familiäre Ereignis emotionslos, wenn nicht sogar ignorant, beschrieben ist, zeigt sich darin der Wendepunkt, der Mirjam den Schlussstrich unter ihre zerbrochene Beziehung ziehen lässt. – Betont leger, umgangssprachlich und somit nah am inneren Monolog erzählt ein neutraler Erzähler Mirjams Weg, die Trennung von ihrem Freund zu verarbeiten. Zunächst mutet das Vorgehen der Protagonistin komisch und vergnüglich an, dann nimmt das Mitleid zu, wie hilflos sie sich gegen die Wirklichkeit strebt, um letztlich vor den Kopf gestoßen zu werden, wie asozial die Verbindungen zu ihr Nahestehenden gelebt werden. Fast kabarettistisch werden aus den klassischen fünf Trauerphasen nach einschneidenden Erlebnissen zwei (Verleugnung und Akzeptanz) herausgeschnitten und wie ein Bühnenstück geboten, bei dem den Lesern überlassen bleibt, wieviel Unterhaltung und Belehrung man dabei herausziehen will.

Christine Vornehm

Christine Vornehm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Frau Fünf

Frau Fünf

Juliane Baldy
Verbrecher Verlag (2025)

205 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 623883
ISBN 978-3-95732-626-3
9783957326263
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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