Venusia

Ende des 23. Jh. auf der Venus, die Erde hat sich bereits selbst zerstört. Eine kleine Kolonie menschlicher Zivilisation lebt hier unter irrealen Lebensbedingungen in einer unwirklichen Kulisse. Es gibt neben Menschen auch Androide (Roboter, die einem Venusia Menschen täuschend ähnlich sehen) oder Hologramme (echte dreidimensionale Abbilder von einem selbst). Man lebt in verschiedenen Raum-, Zeit- und Bewusstseinsebenen. Mittels sogenannter "Morituri-Helme" kann man in eine "Neuroscape"-Ebene eindringen, wobei man durch verschiedene Zeiten und Dimensionen reist. Man ernährt sich von psychoaktivem Blumenfleisch, dessen Verzehr die Erinnerung an die eigene Herkunft unterdrücken soll. In diesem surrealen Umfeld entdeckt der Antiquar Roger Collectibles in einem alten Buch die Geschichte der Besiedelung der Venus. Seine Raum- und Zeitgenossen, wie die schöne Diplom-Neuroskopin Doktor Sylvia Yang oder der dubiose Regierungschef Jorx Crittendon, spalten sich immer wieder in verschiedenste Erscheinungsformen ihrer selbst auf, sterben, erstehen wieder auf und passieren verschiedene Raum- und Zeitebenen, wo sie in virtuellen Erinnerungssequenzen ihre seelischen Abgründe offenbaren. - Mit düster-poetischer Sprache und überbordender Erzählphantasie präsentiert der amerikanische Science-Fiction-Autor bizarre Gedankenexperimente und plastische Bilder von sonderbaren Welten in diversen Zeitebenen. Story und Charaktere sind dabei völlig nebensächlich, was den Leser ziemlich strapaziert, da er nie weiß, in welcher Zeit- und Raumebene er sich gerade befindet. Nur für Liebhaber großer phantasievoller Schilderungskraft. (Übers.: Simon Elson)

Günther Freund

Günther Freund

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Venusia

Venusia

Mark von Schlegell
Matthes & Seitz (2016)

238 S.
fest geb.

MedienNr.: 820664
ISBN 978-3-95757-144-1
9783957571441
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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