Junge Wölfe
Colin Barretts sieben Geschichten werden zusammengehalten von ihrem Handlungsort, insbesondere den Pubs einer irischen Kleinstadt in der Grafschaft Mayo mit seiner ruppigen Küstenlinie. Die Charaktere sind Rausschmeißer, Schuldeneintreiber und Kleinkriminelle,
deren Ambitionen kaum weiter reichen als bis zum nächsten Besäufnis oder dem Kuss des nächsten Mädchens. Sie kommunizieren in knappen Dialogen, mit Schäkereien und gelegentlichen Obszönitäten. Doch die Härte der Figuren paart sich mit Feingefühl, außer beim stadtbekannten Schläger, der in mehreren Geschichten auftritt. In der längsten Story, "Ruhig mit den Pferden", bekommt Fannigan von Ex-Boxer Douglas Armstrong eine Lektion erteilt, weil er die Schwester des Drogendealers angefasst hat. Doch den Onkels, die im Keller ihres abgelegenen Bauernhofes Marihuana anbauen, genügt ein gebrochenes Nasenbein nicht. In dieser Geschichte zeigt Barrett, wie Blutvergießen zu immer mehr Blutvergießen führt. Eine großartige Geschichte, die sich spannend wie ein Western liest. - Colin Barrets Debüt wurde mit wichtigen Preisen ausgezeichnet. Seine Landschaftsbilder sind unauffällig mit metaphorischer Bedeutung aufgeladen, wofür sich eine wiederholte Lektüre lohnt. Man wünscht dem Erzählband viele aufmerksame Leser. (Übers.: Hans-Christian Oeser)
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Junge Wölfe
Colin Barrett
Steidl (2016)
221 S.
fest geb.