Die Straßenkatzen von Manila
Der philippinische Street-Art Künstler Archie Oclos hat eine ungewohnte Erzählung geschaffen, die mit genauerer Betrachtung an Bedeutung gewinnt. Es handelt sich in den fünf Kapiteln nicht einfach um Porträts unterschiedlicher, in der Mehrzahl
streunender Katzen, die in lebendigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen um ihr Überleben kämpfen bzw. ihre Umgebung beobachten, ja sogar zu beeinflussen versuchen. Auf Doppelseiten umreißen jeweils drei Schlagwörter auf der einen Seite die Situation und Reaktion der "weißen Katze", des "Duos", des "Piraten", der "Prinzessin" und "Batmans", die in ganzseitigen Zeichnungen eingefangen sind. Oclos vermittelt durch sie kritische Einblicke bei den "Jeepneys" (Art billige Taxis) in einer Reifenwerkstatt, einer Garküche, einer Wohnanlage und einer Mall in das Leben auf den Philippinen: Diskrepanz von Armut und Reichtum, Chancenungleichheit, Leben am Rande der Existenz, Verletzung von Menschenrechten. "Batman" revoltiert auf von ihm beobachtete Unterdrückung mit ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Während die Straßenkatzen herumstreunen, sehnt sich die behütete Hauskatze "Prinzessin" nach Abenteuern, reißt aus und schließt sich endlich den anderen an. So erfahren sie gemeinsam ein Gefühl von Geborgenheit. – Ein Werk zum Durchblättern? Mitnichten, der tiefere Sinn und die eigentliche Absicht des Autors werden für die meisten Leser:innen erst durch die Anmerkungen erschlossen: Gesellschafts- und Systemkritik. Interessante, gelungene Umsetzung, die allerdings nur für ausgebaute Bestände in Frage kommt.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Straßenkatzen von Manila
Archie Oclos ; Übersetzung: Jan Karsten
CulturBooks Verlag (2025)
176 Seiten
fest geb.