Und der Wal spuckt mich aus
Um möglichst viel Abstand zu seiner beruflichen Kündigung zu gewinnen und zur Ruhe zu kommen, wählt der Autor, Komponist, Kirchenmusiker, Pianist und passionierter Radfahrer (geb. 1980) die Färöer-Inseln im äußersten Norden Europas als Zufluchtsort.
Schon bald nach der Ankunft im April mit Fahrrad und Zelt ist klar, wetterbedingt (Regen, Nebel, Kälte, Sturm) fährt dort niemand Rad, und wegen salziger Luft und felsigem Grund wachsen nirgends Bäume. Doch schon bald lernt er auch die Vorzüge dieses abgelegenen Archipels kennen, allem voran die überbordende Herzlichkeit und unkomplizierte Gastfreundschaft der Menschen. Per Zufall findet er im Süden der Hauptinsel Anschluss in einer Pfarrgemeinde und bewährt sich als Musiker, bevor es ihn in den äußersten Norden verschlägt und er auch dort herzlich willkommen geheißen wird. Die Landschaft ist atemberaubend, nötigt ihm in ihrer Rauheit aber immer wieder Respekt ab. Er fühlt sich wie der biblische Prophet Jonas, der sich Gott widersetzt, daraufhin von einem Wal verschluckt und nach drei Tagen wieder ausgespuckt wird. Der Autor bleibt einige Wochen, und wie Jonas ist er bei seiner Rückkehr mit sich im Reinen. – Ein großes Plus dieses Titels ist der wortgewandte, lockere, humorvolle und dabei doch einfühlsame Schreibstil, der die Lektüre auch sprachlich zum Vergnügen macht. Der Autor befasst sich mit Glauben und Sinn des Lebens, was sich auch beim Lesen überträgt, dennoch ist das Buch nicht vorrangig spirituell. Man liest es eher wie ein Abenteuer und erfährt dabei viel über die Färöer, was so nicht im Reiseführer steht. In diesem Rahmen für jede Bücherei ein Gewinn.
Barbara Riedl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Und der Wal spuckt mich aus
Jan Simowitsch
bene! (2025)
189 Seiten : Illustrationen
fest geb.