Amir und der Geschmack von Heimat
Dem aus Aleppo geflüchteten und in einer trostlosen Unterkunft lebenden Syrer Amir bietet die Sanitäterin Solange Familienanschluss an, als er nach einem Brand alles verliert. Ihr Ehemann Jack und die Söhne akzeptieren den "Familienzuwachs", während
die Tochter Anouk zunächst mit Ablehnung und Solanges Vater Armand mit gängigen Vorurteilen und sehr rassistisch reagiert. Amir will Integration, aber keine Almosen. So zeigt der gelernte Koch seine Dankbarkeit, indem er Gerichte seiner Heimat für die Familie zubereitet. Diese finden großen Anklang, ja selbst Anouk wird aufgeschlossener und erteilt Amir sogar Sprachunterricht. Seine Bindung zum Zufluchtsland Frankreich wird durch die Liebesbeziehung zu Solanges Schwester vertieft. Als Armand wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr in seinem Bistro kochen kann, springt Amir trotz fehlender Arbeitserlaubnis sofort ein, doch lässt ihn die Angst vor Denunziation bald nach Spanien zu Freunden ausreisen. Erinnerungen an seine Heimat Syrien, aber auch an Frankreich, seine Geliebte und Solanges Familie lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Vielleicht ist doch Frankreich das "Zuhause, wo er nicht mehr weglaufen muss"? – Eine bewegende Graphic Novel über die Problematik, sich neu zu verwurzeln und Vertrauen in die Zukunft zu fassen. Mit den sechs integrierten syrischen Rezepten werden den Leser:innen die Persönlichkeit und die Geschichte Amirs sehr gut nähergebracht. Huelva spiegelt durch die Farbgebung die Stimmungen des Geschehens ebenso gut wider wie die Befindlichkeiten der Figuren durch seine eher einfachen, ausdrucksstarken Zeichnungen. Das im Original unter "Les Pays d'Amir" erschienene Werk hat den Francomics-Wettbewerb 2024 gewonnen und ist auch sehr gut als Unterrichtsmaterial geeignet. – Für jeden Comic-Bestand einsetzbar.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Amir und der Geschmack von Heimat
Erzählung: Séverine Vidal ; Zeichnungen: Adrián Huelva ; Übersetzung aus dem Französischen: Karen Bo
avant-verlag (2025)
87 Seiten : farbig
fest geb.