Der Schrei
Kein leichtes Unterfangen, einen im Original 500 Seiten umfassenden Roman Beuglets als Comic zu adaptieren (s.a. "Der Alchimist" – BP/mp 24/339, 25/59). Kommissarin Sara Geringen wird zu einem Toten in die psychiatrische Klinik Gaustad gerufen. Was
führte zum Tod? Selbstmord, Fremdverschulden oder eine natürliche Ursache? Der seit 36 Jahren in Isolation lebende und unter Drogen gesetzte Patient 488 – die Nummer wurde auf seiner Stirn eingraviert – wirft viele Fragen auf. Ähnlich Edvard Munchs Gemälde "Der Schrei" drücken Mimik und Körperhaltung von 488 pure Angst aus. Sara entdeckt Hinweise auf politische und neurowissenschaftliche Hintergründe für den Zustand von Patient 488. Ihre Ermittlungen führen von Norwegen nach Frankreich bis zur Insel Ascension. Unterstützt vom französischen Reporter Christoph, dessen Familie in diesen mysteriösen Fall stark involviert ist, geraten beide in lebensbedrohliche Situationen. – Ein spannungsgeladener Comic, der seinen Reiz besonders aus den Zeichnungen der Panels mit Total-, Porträt- oder Detailaufnahmen bezieht. Die oftmals verwaschene, skizzenhafte Darstellung fokussiert das Wesentliche, die wortlosen Panels bringen Tempo in den Verlauf. Situationen und Emotionen werden durch die Koloration sehr gut eingefangen. – Trotz einiger Schockmomente in der Darstellung des Patienten 488 und Gewaltszenen ist dieser Band für ausgebaute Erwachsenen-Comic-Bestände gut einsetzbar.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Schrei
Szenario: Pierre Makyo ; Zeichnung: Laval Ng ; nach dem Roman Le Cri von Nicolas Beuglet ; aus dem Französischen von Resel Rebiersch
schreiber&leser (2024)
144 Seiten : farbig
fest geb.