China Li

Teils aus der Ich-, teils aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers, wird der Werdegang der Chinesin Li ebenso wie Chinas soziokulturelle und politische Entwicklung von den 20er- bis in die 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts dargestellt. Li China Li entwickelt sich vom ärmlichen ländlichen Mädchen zur intellektuellen, selbstbewussten und einflussreichen Frau unter der Protektion des Eunuchen Zhang, der zeitweise die erfolgreiche Triade "Grüne Bande" leitet und Li zu seiner Nachfolgerin bestimmt. Sie erfährt Liebe, kurzes Mutterglück, aber auch Enttäuschung und alle erdenklichen Arten von Gewalt. Sie ist in Paris ebenso zuhause wie in Shanghai, Hongkong oder auf dem Schlachtfeld unter Maos Führung, sie ist Künstlerin, Fotografin, Freiheitskämpferin, schreckt auch selbst nicht vor Gewalt zurück. Lis Leben ist geprägt durch politische und gesellschaftliche Einflüsse Frankreichs, Russlands und Japans, aber auch in der chinesischen Tradition verwurzelt. Mit China Li erleben die Leser:innen ein Kaleidoskop des zwischen Tradition und Moderne, zwischen Nationalismus und Kommunismus zerrissenen Chinas auf der Suche nach Einheit und Fortschritt. – Ein interessantes Werk, das sehr aufmerksames Lesen erfordert. Zeichnerisch weist es leider Schwächen in der Porträtierung auf. Die teils schonungslose Darstellung von Gewaltszenen, auch sexueller Art, lassen eine Empfehlung für diese Graphic Novel nur eingeschränkt zu.

Margit Düing Bommes

Margit Düing Bommes

rezensiert für den Borromäusverein.

China Li

China Li

Maryse Charles & J.-F. Charles ; aus dem Französischen von Tanja Krämling
Splitter (2024)

260 Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 618918
ISBN 978-3-98721-379-3
9783987213793
ca. 45,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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