Die Wächterin von Köln
Nur wenige Einwohner der Stadt Köln wissen, dass der ermordete lombardische Geldverleiher Nicolai Golatti eine Halbschwester mit Namen Elsbeth hatte. Gemeinsam mit ihr, der patenten Wirtin des Bordells „Zur schönen Frau“, hat er in den vergangenen
Jahrzehnten ein „Schattenreich“ aufgebaut, das Einfluss und Wohlstand garantierte. Elsbeth nutzte ihren Einfluss auch, um die Lebensbedingungen der „Hübschlerinnen“, sprich der Dirnen, zu verbessern und hat außerdem das Wohl der Angehörigen der „unehrlichen“ Welt im Blick. Nun ist Nicolai ermordet worden und Elsbeth muss für den Schutz seiner Witwe Aleydis de Bruinker und seiner Kinder sorgen. Und während Elsbeth sich mit Hilfe ihres Lebensgefährten, dem Henker Johannes und allen Helfern aus dem Schattenreich um diese Aufgabe kümmert, denkt sie zurück an die Zeit, als die Zusammenarbeit begann. Es war im Jahr 1396, als ihre Mutter starb und die 16-jährige Elsbeth ohne Chance auf einen ehrlichen Beruf schließlich im Bordell „Zur schönen Frau“ anfing. Die Geschichte pendelt zwischen 1396 und 1423. Besonders in diesen Rückblenden findet die Autorin sehr deutliche, sehr klare Worte für die Schilderungen der allgemeinen Arbeits- und Lebensbedingungen der sog. „unehrlichen“ Berufe. Detailliert sind auch die Passagen, in denen Elsbeth erzählt, mit welchen Praktiken sie als Anfängerin im Hurenhaus „eingearbeitet“ wurde. Die komplexe Geschichte ist historisch gut recherchiert, alle Figuren sind vielschichtig und gut durchdacht. Sprecherin Brigitte Carlsen trifft mit ihrer etwas dunklen, aber sehr akzentuierten Stimme den richtigen Ton, das Zuhören ist angenehm. Der Roman ist unabhängig von den anderen Romanen der Autorin zu verstehen, wer sie jedoch kennt, wird bekannte Figuren wiederfinden. Das Hörbuch ist auch für kleine Büchereien geeignet.
Leoni Heister
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Wächterin von Köln
Petra Schier ; gelesen von Brigitte Carlsen
steinbach sprechende bücher (2025)
2 mp3-CDs (circa 765 min)
mp3-CD