Gott kann manchmal ganz schön blöd sein
Diese ganz persönlich gefärbte Chronik der traumatischen Beziehung von Michael Schophaus mit dem Gott seiner Kindheit, dem Jesus in seiner Ortskirche, dem Herrn seines wild bewegten Daseins, der allzu oft verschwindet, nicht eingreift in Notsituationen,
der dennoch offensichtlich ihn begleitet, unerbittlich, durch so viele Fährnisse und Glücksmomente. Ist Gott lebendig, gibt es ihn wirklich, wirksam? Diese Kernfrage verdrängt auch die nebensächlichen Konflikte, wie: Bin ich als geschiedener Christ exkommuniziert? Gilt meine 2. Ehe als Bigamie? Hat ein Atheist Recht, wenn er von Aids als Strafe Gottes redet? Bezeichnende, sogar drollige Szenen schildert er von der Wehrdienstverweigerungsprüfung, vom Zivildienst – aber auch die Erfahrung von Gottlosigkeit beim Tod geliebter Menschen, von der Allmacht menschlich-göttlicher Liebe. Ja, der Autor hat eine fantastische berufliche Laufbahn durchschritten, über das Sportstudium zum Schwulenmasseur, Sportreporter, der Volontärzeit beim "unfehlbaren Sprachpapst", bis zum selbstkritischen Chronisten seines seelischen Zwiespalts. Er hat atemberaubend viel erlebt und lässt uns teilhaben an seinem Ringen zur Selbst- als auch Gott-Findung – durchaus vergleichbar mit den Confessiones eines Augustinus oder Rousseaus. Was nicht stimmt ist der Titel: eher plump als provokativ – denn es ist ein gescheites, zu Herzen gehendes Buch, das jeden teilhaben lässt an dem lebenslänglichen Ringen um einen christlichen Gott, oft grausam fern und doch all-gegenwärtig, so sehr ER ein Rätsel, ein tiefes Geheimnis ist und bleibt. Wir sollen begreifen, dass der "Glaube an den Glauben" das Bleibende ist (da frage sich jeder Zweifler, ob das genügt). Mehr überzeugt die Einsicht: "Glaube ist für mich die helle Fülle aus Träumen, Sehnsucht, Friede und Zuversicht, die mich beten lässt."
Harald Grimm
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gott kann manchmal ganz schön blöd sein
Michael Schophaus
Bonifatius (2025)
191 Seiten
fest geb.