Das schöne Lächeln von Riambel
Ganz anders als Titel und Cover vermuten lassen, verbirgt sich hier ein sehr tiefschürfender und emotionaler Roman. Schonungslos wird ein Aspekt der Kolonialgeschichte aus Sicht der Einheimischen Noemi aufgezeigt. Dieser Blickwinkel rüttelt wach
und erschreckt durch seine Aktualität. Verpackt ist das Ganze in einer sehr bildhaften und poetischen Sprache, die allerdings nicht über die Schrecken des Inhalts hinwegzutäuschen vermag, sondern die Gräuel durch den Kontrast noch zusätzlich betont. Statt einer kohärenten Erzählung handelt es sich eher um eine Ansammlung verschiedenster Textstücke. So gibt es Kapitel aus Noemis Sicht, Rezepte und Gedichte, die in ihrer Summe ein lebendiges Bild des Lebens auf Mauritius zeichnen. Durch das Weglassen von Anführungszeichen in der wörtlichen Rede wird jede Person im Dialog zum Haupterzähler und bringt die Lesenden näher an die erzählten Geschichten heran. Auch wenn das Buch aufgrund der behandelten Themen nicht immer Spaß macht zu lesen, stellt es genau deshalb eine große Leseempfehlung dar.
Agnes Schmidtner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das schöne Lächeln von Riambel
Priya Hein ; aus dem Englischen von Mirjam Nuenning
GUTKiND (2025)
174 Seiten
fest geb.