Die Zeitforscherin
Die hochbegabte 39-jährige Ina hatte schon als Kind ein Faible für Zahlen und Reihen. Als Erwachsene ist sie "Zeitforscherin" geworden, sie beschäftigt sich mit der Relativität von Zeit und ist Anhängerin der sogenannten "Pataphysik" (ein absurdistisches
Philosophie- und Wissenschaftskonzept des französischen Schriftstellers Alfred Jarry). Als Kind hat sie sich manche Ereignisse zusammenfantasiert. Auch als Ich-Erzählerin dieses Romans lässt sie die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmen. Zusammen mit ihren Geschwistern ist sie unterwegs nach Kärnten zur Beerdigung der Großmutter. Der traurige Anlass löst Erinnerungen an die vor 10 Jahren verstorbene Mutter aus, deren Tod Ina nie ganz verwunden hat. Wir erfahren im Verlauf der Reise von weiteren tragischen Ereignissen, deren Wahrheitsgehalt im Ungewissen bleibt. Zeitsprünge passieren oft unvermittelt und assoziativ, als Leser*in ist man gefordert, die Geschehnisse richtig einzuordnen. Die sprachliche Brillanz und die interessante Figurenzeichnung machen das Rätsel zu einem anrührenden literarischen Vexierspiel.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Zeitforscherin
Flora S. Mahler
muery salzmann (2023)
153 Seiten
fest geb.