Glas
Der verfaulte Apfel auf dem Cover, der von undefinierbaren Tieren zerfressenen wird, nimmt bereits vorweg, was die Lesenden in diesem Buch erwartet: Die Geschichte ist höchst rätselhaft, morbide und voller symbolischer Anspielungen. Manche Leser*innen
werden diesen Roman für grandios halten, andere werden ihn nach den ersten Seiten verwirrt beiseitelegen. Es geht um eine junge, von Selbstzweifeln geplagte Frau namens Eva. Ohne jegliche Unterteilung in Kapitel oder Kennzeichnung von wörtlicher Rede werden aus wechselnden Perspektiven Versatzstücke aus ihrem Leben erzählt. So besucht sie z.B. zusammen mit der schönen, selbstbewussten Mirjam einen Jahrmarkt, lernt dort einen Mann namens Aaron kennen und eine zarte Liebesbeziehung entsteht. Doch Eva kann ihr Glück nicht genießen, sie wird immer wieder von düsteren Gedanken heimgesucht. Ein rätselhaftes Wesen namens Eden scheint wie aus dem Nichts aufzutauchen und ihr und ihrem Umfeld mit brutaler Gewalt Schmerzen zuzufügen. Am Ende fügen sich die Puzzleteile zu einem faszinierenden Psychogramm. Und man beginnt sofort, den Roman noch einmal von vorne zu lesen, nach den versteckten Hinweisen zu suchen und die Geschichte mit den gewonnenen Erkenntnissen neu zu bewerten.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Glas
Verena Prantl
Septime Verlag (2023)
198 Seiten : Illustration
fest geb.