Der siebenarmige Leuchter

Der Autor schildert ineinander verschlungen, wie Danny und Rebekka die Zeit der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Deutschen erlebten, aus der Retrospektive gut 15 Jahre danach. Danny ist 1938 noch fast ein Kind. Seine Episoden beziehen sich Der siebenarmige Leuchter auf jüdische Mitbürger, mit denen er Kontakt hatte, auf den Hausarzt oder seinen Sprachlehrer, einen jüdischen Kantor. Sie handeln von seiner Arbeitsverpflichtung und den Anfeindungen, als er als Schüler eine Jazzband gründete. Rebekka ist eine jüdische KZ-Überlebende, die im Nachkriegs-Prag nur schwer Fuß fasst. Zwei Fakten treten augenfällig hervor: Wie viele Menschen sich nach der Besetzung eilends anzupassen versuchten, wie Tschechen plötzlich deutschsprachig sein wollten und sogar ihre Namen germanisierten. Rebekkas Erlebnisse bei der Rückkehr zeigen eine Siegermentalität mit unterschwelligem Antisemitismus. - Skvorecky lässt seine Protagonisten durchgängig im privaten Ton sprechen, obwohl ihre Geschichten die Epoche als Einzelbilder aufarbeiten. Trotz oder gerade wegen der hohen Verdichtung der Geschehnisse werden Leid und Schmerz in schlichte Worte oder gar Nebensätze gefasst: Als Dannys Vater von der SS abgeholt wurde, heißt es nur: "Er kam nach Belsen. Wir hörten nie wieder etwas von ihm." Nichts wird mit erhobenem Zeigefinger beschrieben. Nebenher erhält der Leser detailreiche Informationen zum Leben jüdischer Mitbürger in einer böhmischen Kleinstadt. Sehr empfehlenswert!

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der siebenarmige Leuchter

Der siebenarmige Leuchter

Josef Skvorecky ; aus dem Tschechischen von Hanna Vintr
braumüller (2022)

190 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 751126
ISBN 978-3-99200-336-5
9783992003365
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.