Mein Name ist Marcello
Die populäre Schweizer Krimiautorin Fabiana Bianchi stellt in Mailand ihr neues Werk vor. Ein mit Bedacht gewählter Ort, denn dort hat sie ihren Fall angesiedelt. Die Premierenlesung erntet viel Beifall und Begeisterung und Fabiana ist selig, bis
sich ein Mann aus dem Publikum erhebt und der verblüfften Autorin vorwirft, sie habe seine Biografie gestohlen. Sie will den Vorfall rasch vergessen, doch der mysteriöse Typ folgt ihr zu jeder Station ihrer Lesereise und zieht überall dasselbe Szenario durch. Bald ist die gestalkte Schriftstellerin am Ende ihrer Nerven und kann sich nach wie vor nicht erklären, warum sich Marcello in ihrem Buch wiedererkennt. In zwei Parallelhandlungen schildert Jecker, wie Marcello kleinere Episoden seines komplizierten Lebens rekapituliert, und sie folgt Fabianas Spuren bei der Entstehungsgeschichte ihres Buches. Heraus kommt ein kunstvoll verschachtelter Roman, der für unerwartete Wendungen und erstaunliche Verknüpfungen sorgt. Leider verrät schon der Klappentext, dass die beiden eine Liaison eingehen, ein Umstand, der gehörige Brisanz ins Geschehen bringt. – Die bulgarisch-schweizerische Schriftstellerin Evelina Jecker Lambreva entwirft ein verstörendes, in Teilen hartes Szenario, das an einen "Roman noir" erinnert. Eine außergewöhnliche Lektüre, gerne empfohlen.
Susanne Steufmehl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mein Name ist Marcello
Evelina Jecker Lambreva
Braumüller (2024)
240 Seiten
fest geb.