Das Ende von Eddy
Eddy wächst in einem Dorf in Frankreichs Norden auf, wo alle, die nicht arbeitslos sind, in der nahe gelegenen Messingfabrik arbeiten, so auch Eddys Vater. Eddy wird nicht nur von seinen Mitschülern und den Dorfbewohnern, sondern auch von seinen
Eltern verhöhnt: Wegen seiner hohen Stimme, seiner nervösen Zuckungen beim Sprechen und seines Hüftschwung beim Gehen wird er als Schwuler angesehen und deshalb verbal und körperlich brutal attackiert. Täglich aufs Neue versucht der Junge sich zu schützen, doch erst, als er den Absprung ins entfernt gelegene Gymnasium und schließlich an die Universität schafft, kann er ein einigermaßen normales Leben führen. - Der in der Ich-Form geschriebene Roman des 1990 geborenen Autors erschüttert auch deshalb, weil er sehr ehrlich und schonungslos die inneren Gefühle eines Jungen thematisiert, der an seiner Schule geschnitten wird. Die alt hergebrachten, bornierten Ansichten der einfachen Dorfleute, die den alkoholsüchtigen Patriarchen das Wort reden, erinnern an Zeiten vor dem Aufbruch der 1968er Generation und wirken auf den modernen Menschen eher fremd. Ein lesenswertes Debüt. (Übers.: Hinrich Schmidt-Henkel)
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Ende von Eddy
Édouard Louis
Fischer (2015)
205 S.
fest geb.