Monique bricht aus
Monique, die Mutter des Autors, ist eine Frau ohne Ausbildung mit fünf Kindern, die es erst spät schafft, sich vom Vater der Kinder zu trennen. Auch ihr zweiter Mann gehört zu den Männern – Alkoholiker und gewalttätig –, die ihre Frau ausnutzten,
von ihr erwarteten, dass sie “kochte, putzte, einkaufte, spülte, die Wäsche wusch, dass sie den Mund hielt”. Als sie es nicht mehr aushält, bittet sie ihren Sohn um Hilfe, denn sie hat keinen Job und ist finanziell abhängig. Sie hat nie “irgendetwas für sich selbst getan”. Louis kümmert sich um sie, lässt sie zunächst in seiner Wohnung wohnen und hilft ihr, in das Dorf zu ziehen, in dem eine Tochter wohnt. In Anlehnung an Virginia Woolf stellt Louis fest, dass es nur “eine Wohnung und … Geld braucht, um als Frau frei und glücklich leben zu können.” – Der bekannte französische Autor zeigt mit der Geschichte seiner Mutter, dass ökonomische Zwänge, Armut und das Fehlen von Bildung ein Ausbrechen aus gewalttätigen Beziehungen fast unmöglich machen. Hier ähnelt der Autor, auch in der nüchternen Sprache, der Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux, die gleichfalls vom Aufwachsen in Armut und der Schwierigkeit des Ausbrechens erzählt. Auch wenn der Autor vielleicht etwas zu viel schreibt über sich und was er für seine Mutter getan hat, handelt es sich um eine packende Lektüre, gerne empfohlen.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Monique bricht aus
Édouard Louis, aus dem Französischen von Sonja Finck
S. FISCHER (2025)
153 Seiten : Illustration
fest geb.