Ich hasse dieses Internet

Jarett Kobeks Hasstirade auf das Internet ist kein richtiger Roman, die wenigen Protagonisten bleiben vage, es gibt keine eigentliche Handlung. Kobek schimpft ebenso hemmungs- wie zusammenhanglos auf die "scheinheilige Geldmaschine", in der sich "stammelnde Ich hasse dieses Internet Kackbratzen" gegenseitig erniedrigen und Kinderpornos verbreitet werden. Der Text besteht aus Abschweifungen, Handlungsfetzen und Collagen, die sich oft wie Tweets lesen und überall im Text "blinken und piepsen". Der Kurznachrichtendienst Twitter wird hier beschrieben als "eine Plattform, auf der Teenager andere Teenager in den Selbstmord trieben und dabei wie besessen waren von prominenten Eintagsfliegen". In einem Sprachstil, der an die Internetsprache angelehnt sein soll, mit Aufzählungen und Wiederholungen, nervt der Autor mit Kulturpessimismus und einer langatmigen Abrechnung vor allem mit Facebook und Twitter. Er seziert die US-Gesellschaft in ihren Schwächen erbarmungslos und macht anspruchsvolle Anspielungen auf Bildungsgüter. Vielleicht haben junge Twitter- und Tweet-Nutzer Spaß an dem Text; ansonsten können Büchereien auf den in den USA zum Kultbuch gewordenen Roman verzichten. (Übers.: Eva Kemper)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Ich hasse dieses Internet

Ich hasse dieses Internet

von Jarett Kobek
Fischer (2016)

363 S.
fest geb.

MedienNr.: 586253
ISBN 978-3-10-397260-3
9783103972603
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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