Jahreszeiten
Max und sein Zwillingsbruder Sonny sind immer gemeinsam in der Natur unterwegs, die Eltern sind aufs Land gezogen, wo der Vater Richard im Garten arbeitet und sein Gemüse verkauft, die Mutter Tess sich schwer tut, da sie die einzige Schwarze im Ort
ist und sich beobachtet fühlt. Auch die Zwillinge werden in der Schule gemieden, denn einer ist dunkel, der andere hellhäutig. So stromern sie gemeinsam am Fluss und im Marschland herum, Max interessiert sich für Vögel, Sonny sammelt Fossilien. Tess und Richard machen sich zunehmend Sorgen um Max; man fragt sich, warum nicht auch um Sonny: Liegt es an der unterschiedlichen Hautfarbe? Erst spät wird klar, welche Tragödie hinter den Problemen der Eltern steckt und wie schwer sie sich tun, Sonnys Tod zu akzeptieren: Tess will fliehen, Richard vergräbt sich in seiner Gartenarbeit und Max tut weiter so, als wäre Sonny immer noch an seiner Seite. Die Autorin lässt Eltern und Kinder in einer poetischen Sprache abwechselnd zu Wort kommen und sie am Ende eines Jahreszeitenzyklus zuversichtlich in die Zukunft schauen. Mit den wunderbaren Naturschilderungen und einfühlsam beschriebenen Stimmungen eignet sich der Roman bestens für alle Büchereien.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Jahreszeiten
Fiona Williams ; aus dem Englischen von Maria Hummitzsch
S. FISCHER (2024)
347 Seiten
fest geb.