So etwas wie ein Leben
Die Ich-Erzählerin Amélie Nothomb erhält einen ungewöhnlichen Brief, den sie neugierig beantwortet und damit beginnt ein reger Briefwechsel. Melvin Mapple, ein Soldat der US-Armee und seit sechs Jahren in Bagdad stationiert, kennt und bewundert
alle ihre Bücher und bittet um ihr Verständnis, wenn er ihr über diesen "Scheißkrieg" berichtet. Er leidet, wie er sagt, an einer Krankheit, die unter den Truppen immer stärker grassiert: Fettsucht. Die einzige Möglichkeit, das Grauen der Kämpfe und der Toten auszuhalten, ist für ihn und andere, sich mit Essen vollzustopfen. Von 55 kg hat Melvin es auf über 150 kg gebracht. Für Nothomb ist diese Esssucht ein Sabotageakt gegen den Krieg. Sie rät Melvin, seinen fetten Körper als Kunstwerk zu betrachten und alles genau zu dokumentieren im Sinne der "Body Art". Damit gibt sie ihm einen Sinn im Leben: Er will seine "Kunst" als politisches Zeichen sehen und dem Schrecken des Krieges vor aller Welt Ausdruck verleihen. Sein Kunstprojekt ist "die einzige Würde, die (ihm) bleibt". Doch plötzlich hört sie nichts mehr von ihm und macht sich Sorgen. - Die Auflösung ist höchst überraschend ... Mit bissigem Humor und genauer Kenntnis des Problems - Nothomb war selbst essgestört - schreibt die belgische Bestseller-Autorin über die Schrecken des Krieges und seine Folgen, über Lügen und Betrug, über Essstörungen, über das Schreiben und über den Sinn des Lebens. Eines ihrer besten Bücher - unbedingt lesen! (Übers.: Brigitte Große)
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
So etwas wie ein Leben
Amélie Nothomb
Diogenes (2013)
142 S.
fest geb.