Die Zeit der Zikaden
Alex Mattmann ist seit 36 Jahren Lehrerin und Leiterin der Theater-AG. Mit 63 Jahren geht sie in den Ruhestand und lässt sich dafür ein mobiles Tinyhouse anfertigen. Als ihre ehemalige Theaterschülerin Wibke sie mit einer handgeschriebenen, sehr
persönlichen Karte zu ihrer Hochzeit einlädt, fährt sie hin. Wibke heiratet in ein Bestattungsunternehmen hinein, das nun in der dritten Generation weitergeführt werden soll. Ihr Schwiegervater Johann übergibt mit Mitte fünfzig das Institut an seinen Sohn und will sich künstlerisch verwirklichen. Dafür will er nach Ligurien gehen, wo er ein Haus geerbt hat. – Während Johann die ersten Monate im italienischen Rustico verbringt, erfährt er im Chat, dass es Alex in ihrer Tinyhouse-Siedlung an der Ostsee nicht so gut gefällt, und lädt sie spontan ein … – Der dritte Roman des Stuttgarter Lehrers Moritz Heger (zul. "Aus der Mitte des Sees", BP/mp 424) lebt von seinen Dialogen. Besonders die taffe Alex ist es, die das Gespräch immer wieder auf existentielle Fragen bringt: Was will man vom Leben, wenn man in eine neue Phase eintritt? Wie ist der Blick zurück? Dabei bringt sie Johann dazu, wieder in Kontakt zu seiner Tochter Nora zu kommen, die mit der Familie gebrochen hatte. – Ein leiser, psychologischer Roman, bei dem es um die Analyse von Gefühlen geht.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Zeit der Zikaden
Moritz Heger
Diogenes (2024)
301 Seiten
fest geb.