Stadt der Hunde

In Leon de Winters (s.a. "Ein gutes Herz" BP/mp 13/641) neuem Roman verarbeitet er autobiografische mit soziokulturellen und politischen Elementen. Jaap Hollander reist nach dem Verschwinden seiner Tochter Lea Jahr für Jahr in die Wüste Negev, um Stadt der Hunde Klarheit über ihr Schicksal zu erlangen. Nun, im Ruhestand, ist der Aufenthalt des ehemaligen Gehirnchirurgen in Israel auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner jüdischen Identität. Fachlich ist er eine Koryphäe, menschlich ein Egozentriker und seine soziale Kompetenz eher niedrig. So wird einer der vielen Hunde Tel Avivs sein treuester Begleiter und Vertrauter. Als Jaap um eine fast aussichtslose Tumoroperation an einer saudischen Prinzessin gebeten wird, stehen ihm plötzlich ungeahnte Mittel für die Nachforschungen zum Verbleib seiner Tochter zur Verfügung. Die OP gelingt, Jaap ist mit einem Mal selbst Patient und er gewinnt auf fantastische Art und Weise Klarheit über Leas Schicksal. – De Winter integriert die politische Lage andeutungsweise in die Story, der Deal mit dem saudischen Herrscher und der Erfolg der äußerst riskanten OP an dessen Tochter wirken etwas überzogen. Wer eine tiefere Auseinandersetzung mit der Akzeptanz des Judentums erwartet, wird eher enttäuscht sein. Dafür eignet sich Vowinckel „Gewässer im Ziplock“ (BP/mp 23/1028) besser.

Margit Düing Bommes

Margit Düing Bommes

rezensiert für den Borromäusverein.

Stadt der Hunde

Stadt der Hunde

Leon de Winter ; aus dem Niederländischen von Stefanie Schäfer
Diogenes (2025)

267 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 620819
ISBN 978-3-257-07281-5
9783257072815
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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