Sie und der Wald
Die “femme-forêt” (so der Original-Titel) lässt sich mit ihrer Familie auf die Natur ein, in der sie sich befinden. Sie wandert durch die Wälder, lernt die Namen und Eigenschaften der Bäume und Pflanzen kennen, erlebt kalte Winter und die Gewöhnung
auch der Kinder an die tierische und pflanzliche Umgebung. Die “Waldfrau” sucht ihre Wurzeln, empfindet die verändernde Macht der Natur. Der Roman ist eine Art Prosa-Gedicht aus kleinen, lose verbundenen Texten, bestehend aus Assoziationen und Gefühlen und aus Beobachtungen des sozialen Verhaltens der Gruppe. Märchenhaftes durchdringt botanisches Wissen, Traumartiges Alltägliches. Wer allerdings einen Corona-Roman einer Familie erwartet, die dem Lockdown entflieht und im harmonischen Leben mit der Natur ihr Glück findet, wie der Klappentext nahelegt, wird enttäuscht: in schöner metaphorischer Sprache wird ein esoterisches Erleben der Protagonistin geschildert. Für mystisch-esoterisch Interessierte.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Sie und der Wald
Anaïs Barbeau-Lavalette ; aus dem Französischen von Anabelle Assaf
Diogenes Tapir (2024)
238 Seiten
fest geb.