Der Dschungel
1906 erscheint ein Buch in den USA, das die Gesellschaft aufrüttelt. Es erzählt von Jurgis und seiner Frau, die von Litauen nach Amerika auswandern und ohne Vermögen und Sprachkenntnisse ankommen. Hier wollen sie ihr Glück versuchen. Die Familie
landet jedoch in einem beispiellosen Dschungel, in dem jeder der vielen ungelernten Einwanderer ums nackte Überleben kämpft. Ihnen bleibt nur die ausbeuterische Arbeit in den Schlachthöfen, einem Moloch, der täglich abertausende von Tieren schluckt und als Fleisch und Konserven wieder ausspuckt. Auf Mensch und Tier wird aus reiner Profitgier keine Rücksicht genommen. Wer dagegen aufbegehrt wird entlassen und durch neue, begierige Arbeitskräfte ersetzt. Wer durch die unzumutbaren Arbeitsbedingungen krank wird, fällt in Armut. Jurgis und seine Familie geraten hier unvermeidlich unter die Räder. - Upton Sinclair, eine Art früher Enthüllungsjournalist, hat durch seine beispiellos realistischen Schilderungen kurzzeitig zu einer Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen in den Fabriken Chicagos beigetragen. Bis zu seinem Tod 1968 war er ein unverrückbarer Bewunderer kommunistischer Theorien. Sein Buch ist ein Zeitdokument, manchmal erschreckend aktuell, und deshalb breit zu empfehlen. (Übers.: Ingeborg Gronke)
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Dschungel
Upton Sinclair
Unionsverl. (2014)
Unionsverlag Taschenbuch ; 664
412 S.
kt.