Boston

Boston, 1918. Josiah Thornwell, ein bedeutender Industrieller, stirbt an Herzversagen. Seine Witwe Cornelia ist erleichtert, nach 40 Jahren neben dem ungeliebten Mann will sie jetzt ein freies Leben führen. Sie findet bei den aus Italien eingewanderten Boston Brinis Unterschlupf und nimmt anonym eine harte Arbeit in einer Seilfabrik an. Dort erlebt sie am eigenen Leib entwürdigende Arbeits- und Lebensbedingungen und der gewaltige Gegensatz zu ihrem früheren Leben in der Upperclass wird ihr mehr als bewusst. Sie lernt dort auch den Anarchisten Bartolomeo Vanzetti kennen. Nach einem Jahr gibt Cornelia das entbehrungsreiche Leben zwar wieder auf, aber ihr politisches Bewusstsein ist geschärft, und als Vanzetti und sein Freund Nicola Sacco zu Unrecht eines Raubmordes bezichtigt werden, kämpft sie für deren Freilassung. - Die Neuübersetzung von Viola Siegemund des im Original 1928 veröffentlichten Klassikers von Upton Sinclair, einer der wichtigsten Stimmen Amerikas, ist erstaunlich aktuell. Wie seinerzeit der Kapitalismus ausartete, herrschendes Recht gebeugt wurde und wie Mauern aus Vorurteilen gegen vermeintliche Bedrohungen durch Einwanderer errichtet wurden, weist erstaunliche Parallelen zum heutigen Geschehen auf. Dabei lässt sich der Roman insgesamt flüssig lesen und obwohl man weiß, wie es ausgeht, ist das über 1000 Seiten lange Werk hochspannend. Für Liebhaber gesellschaftskritischer Romane sehr empfehlenswert.

Günther Freund

Günther Freund

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Boston

Boston

Upton Sinclair
Manesse (2017)

1024 S.
fest geb.

MedienNr.: 849659
ISBN 978-3-7175-2380-2
9783717523802
ca. 42,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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