Alles für ein bisschen Ruhm
Eine junge Frau, die an den Traum von Hollywood geglaubt hat und enttäuscht worden ist, will sich während einer Party im Meer ertränken, wird aber von einem Drehbuchautor, einem erfolgreichen Mann in den Fünfzigern, gerettet. Es entsteht eine anfangs
etwas lustlose Verbindung, die jedoch immer enger wird, obwohl er verheiratet ist, bis er ihr sogar in Film-Manier sagt: "Ich liebe dich". Als seine Ehefrau plötzlich ihr Kommen ansagt, beendet er die Beziehung, woraufhin sie sich dramatisch die Pulsadern aufschneidet. Der Liebhaber findet einen Freund, der ihm hilft, die Leiche verschwinden zu lassen - die Szene könnte aus einem Drehbuch stammen. Der Schriftsteller und Drehbuchautor Alfred Hayes, der in den 1950er Jahren schrieb, wurde erst kürzlich wiederentdeckt. Sein desillusionierter Blick auf Hollywood mitsamt den Reichen und Mächtigen ist großartig und zeitlos, seine Analyse der Protagonisten präzise und detailliert: Der Ich-Erzähler ist ein desillusionierter Mann ohne Ideale, er hält Abstand zum Hollywood-Glamour, ja es ekelt ihn davor, aber dennoch macht er mit. Die junge Frau ist eine von vielen, die auf Erfolg hoffen und dennoch sich nur mit Mühe und gelegentlichen Sex-Affären über Wasser halten, um jedes Mal zu glauben, die Liebe gefunden zu haben. Die Traumfabrik Hollywood wird als ein Ort der inneren Leere, der Gefühlskälte und der Unersättlichkeit gezeichnet. Ein kurzer Roman, der es wert ist, wiederentdeckt zu werden. (Übers.: Matthias Fienbork)
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Alles für ein bisschen Ruhm
Alfred Hayes
Nagel & Kimche (2016)
143 S.
fest geb.