Das Geflüster
An einem Mittwoch spät am Abend stürzt Whitneys Sohn Xavier aus dem Fenster seines Zimmers im zweiten Stock. Der Zehnjährige liegt infolge im Koma in einem Krankenhaus. Seine Mutter, sonst eine alerte Geschäftsfrau, ist völlig am Boden zerstört
und weicht nicht von seinem Bett. Während dieser Tage endet für die Ärztin aus der Nachbarschaft wieder einmal eine Schwangerschaft durch einen Abgang. Die dritte Frau im Umkreis, Blair, eine scheinbar glückliche Hausfrau, stöbert im Haus Whitneys und findet dort einen Schlüsselbund ihres Mannes. Sie ist dadurch überzeugt, Whitney habe ein Verhältnis mit ihm. Noch eine gehörige Portion Nachbarschaftsklatsch und es wird immer klarer, dass die Beziehungsgeflechte ganz anders sind, als zu Anfang vermutet. - Der Autorin geht es vorrangig darum, weibliche Rollenbilder zu hinterfragen und insbesondere die komplexe Beziehung Whitneys zu ihrem ältesten Kind. Aber auch die nicht seltenen Verflechtungen in Wohnumfeldern der Mittelschicht durchleuchtet sie, um dem Buch ein überraschendes Ende zu geben. So sehr der Roman in den Lebensverhältnissen beliebter leichtfüßiger Bücher angesiedelt ist, geht er tief unter die Oberfläche gängigen gesellschaftlichen Verhaltens.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Geflüster
Ashley Audrain ; aus dem Englischen von Lotta Rüegger und [einem weiteren]
Penguin (2024)
249 Seiten
fest geb.