Maifliegenzeit
Ich-Erzähler Hans ist 65, als ihn seine Vergangenheit einholt. Seine Lebensgefährtin Anne hat ihm einen Zettel hingelegt, Daniel habe angerufen. Das ist sein einziges Kind, seit vierzig Jahren tot! Seine Schuldgefühle hat Hans verdrängt, nur jedes
Jahr Anfang Mai denkt er beim Fliegenfischen zurück an Katrin und seinen Sohn, schließlich ist es dessen Geburtsmonat. Katrin und er hatten sich auf eine gemeinsame Zukunft gefreut. Doch einige Tage nach der Geburt von Daniel bekamen sie die schreckliche Nachricht, ihr Sohn sei verstorben. Katrin hatte gleich an Daniels Tod gezweifelt. Hans fühlt sich schuldig, weil er untätig geblieben war. Darüber hatte er sich auch mit Katrin entzweit. – Erst eine Woche nach dem Anruf ruft Hans zurück: David heißt jetzt Martin und schlägt ein Treffen in Leipzig vor … – Matthias Jügler, 1984 in Halle an der Saale geboren, hat für seinen Roman auf wahre Begebenheiten aus der DDR zurückgegriffen (was bereits für einen Eklat gesorgt hat): Säuglinge wurden den leiblichen Eltern gegenüber für tot erklärt und zur Adoption freigegeben. – Jügler lässt Hans Trost in der Natur suchen, und er verschränkt geschickt das verborgene Leben von Daniel mit den Maifliegen, die Jahre als Larven im Sediment der Unstrutt verbringen, bis sie zur Paarungszeit ans Licht kommen. Sehr empfehlenswert!
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Maifliegenzeit
Matthias Jügler
Penguin Verlag (2024)
153 Seiten
fest geb.