Aufs Land

Die 7-jährigen Freunde Amy und Lan sind mit ihren Eltern und Geschwistern und einem befreundeten Paar mit Kindern 2005 von der Stadt aufs Land auf einen alten Bauernhof gezogen, den sie „Frith“ nennen. Amy und Lan genießen das freie Landleben Aufs Land und erzählen abwechselnd aus ihrer Perspektive „wie wir nach Frith gekommen sind. Und wir gehen hier nie, nie wieder weg”. Heuernte, die Geburt eines Kälbchens, Ziegen, Hühner; auch die unangenehmen Seiten des Landlebens sind einbezogen, wie das Schlachten von Tieren und die Verstopfung des Faultanks – für die beiden Kinder ist es insgesamt ein Paradies. Amys Vater ist ein erfolgloser Schauspieler, ihre Mutter gibt Klavierunterricht, Lans Vater ist Schreiner und die gute Seele des Alternativ-Hofs, die Mutter eine esoterische Bachblüten-Fanatikerin. Untergründig, ganz langsam, bekommt die Harmonie Risse, Amy und Lan spüren Spannungen zwischen den Erwachsenen: Es sind nicht nur kleine alltägliche Streitigkeiten im ländlichen Paradies; es bahnt sich vielmehr eine Beziehung zwischen Amys Vater und Lans Mutter an, was die Gemeinschaft auseinanderreißen wird. Das Kindheitsparadies endet 2010. – Der staunende Blick der Kinder bewahrt den Roman vor dem Landliebe-Klischee. Sadie Jones' Roman greift ein altes Sujet auf, eine Stadtflucht, hinein in die paradiesische Einsamkeit zwischen Wiesen, Cottages und verwunschenen Dörfern. Die kindliche Perspektive und die unterschwellige Ironie überzeugen und bewirken, dass man den Roman mit Genuss liest.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Aufs Land

Aufs Land

Sadie Jones ; aus dem Englischen von Katrin Segerer
Penguin Verlag (2024)

318 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 618094
ISBN 978-3-328-60330-6
9783328603306
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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