Diebstahl
Tansania in den 70er und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Karim kehrt nach erfolgreichem Studium mit Ehrgeiz und großen Ideen nach Daressalam, seiner Heimatstadt, zurück. Fauzia, seine Frau, sieht in der Heirat ihre Chance, ihrer sehr behüteten
Kindheit zu entkommen. Und Badar, ein Waisenjunge, findet in Karim und Fauzia Freunde. Sie gewähren ihm Hilfe, obwohl er fälschlicherweise eines Diebstahls beschuldigt wurde und seine Zukunft somit ungewiss erscheint. Tourismus und Fortschritt finden Einzug in diesen entlegenen Winkel der Welt und alle drei nehmen das Schicksal in die eigenen Hände auf der Suche nach Anerkennung, Glück und Erfolg. – In diesem ruhigen und trotzdem überaus fesselnden Roman gibt es keine einfachen Wahrheiten. Er ist durchdrungen von Schmerz und Verlust, doch nicht von Verzweiflung und Ohnmacht. A. Gurnah ist ein fantastischer Erzähler, seine Geschichte wechselt spannungsvoll zwischen Haupt- und Nebenfiguren ohne klare zeitliche Verankerung. Jedoch ist ein gesellschaftlicher Wandel Tansanias erlebbar, anhand der Schicksale von Frauen und einfachen Arbeitern. Beeindruckend ist das sanfte und schöne Ende dieses warmherzigen Romans, ist er doch als Botschaft zu verstehen, nicht vorschnell zu urteilen, und man spürt nachhallend, was es für jeden Menschen bedeutet, zu wagen, zu kämpfen und zu lieben. Besonders lesenswert.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Diebstahl
Abdulrazak Gurnah ; aus dem Englischen von Eva Bonné
Penguin Verlag (2025)
331 Seiten
fest geb.