Die eigentümliche Vorliebe für das Meer
Die Medizinstudentin Benedita führt ein durchstrukturiertes Leben und fühlt sich im beschaulichen norddeutschen Geest wohl. Als ihr Onkel sie einlädt, für ihren Geburtstag in ihren Heimatort Nam Van zu kommen, einer quirligen Hafenstadt im Südchinesischen
Meer, zögert sie erst, setzt sich dann aber doch ins Flugzeug. Es wird eine Reise in ihre eigene Vergangenheit und in die dunkle Geschichte der reichen Unternehmerdynastie Chou da Luz. Hat man nach ihr gerufen, um die Scherben und Reste ihrer dysfunktionalen Familie zusammenzukehren? Wie Mosaiksteinchen fügen sich die oft tragischen Schicksale ihrer Großeltern und Eltern, Onkel und Tanten zusammen. Benedita muss herausfinden, wohin sie gehört, und sich zwischen zwei Welten entscheiden. Gregor Hens erweist sich als begnadeter Geschichtenerzähler: Mit poetischen Bildern schafft er eine magische atmosphärische Dichte, die die Leser:innen von der ersten Seite an in den Bann zieht.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Die eigentümliche Vorliebe für das Meer
Gregor Hens
aufbau (2023)
268 Seiten
fest geb.