Drei Sommer lang Paris
Nach der Bewilligung ihres Ausreiseantrags lässt die 21-jährige Ulrike Oma, Papa und Freunde zurück in Kaßbergen, DDR, und reist nach Paris, wo sie zunächst bei ihrer Mutter und dem Stiefvater unterkommt. Es ist Sommer im Jahr 1989 und Ulrike
genießt ihre Freiheit, streift durch Paris und lernt dabei ungewöhnliche Menschen kennen, die ihr mehr oder weniger behilflich sind, die ersten Hürden in einem fremden Land mit einer ihr unbekannten Sprache zu nehmen. Sie will Schriftstellerin werden und kennt Paris aus vielen Büchern. Endlich kann sie selbst die Atmosphäre der Stadt spüren und lässt sich Tag für Tag von den Orten inspirieren, an denen berühmte Autor:innen gelebt und gearbeitet haben. Nachdem sie einen Sprachkurs absolviert hat, bewirbt sie sich kurzerhand bei einer Transportfirma im Norden von Paris, um finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Von den verrufenen Banlieus und dem heruntergekommenen Umfeld lässt sie sich nicht stören und findet sich bald in der Firma zurecht. Besonders von dem undurchsichtigen Kollegen Gilles Serafini fühlt sie sich sehr angezogen. Ulrike auf ihren Wegen durch Paris zu begleiten, die Offenheit, mit der sie den Menschen begegnet, zu erleben und zurück ins im Vergleich zu heute entschleunigte Jahr 1989 mit all seinen damaligen, prägenden Realitäten zu reisen, macht diesen Roman zu einem wunderbaren Leseerlebnis. Köstlich sind die französischen Worte, die in Lautsprache geschrieben sind, was die Fremdheit der Sprache für Ulrike verdeutlicht, wie beispielsweise "Latureffel" – la Tour Eiffel. Ohne Französischkenntnisse und Freude am Rätseln ist jedoch das Vergnügen nur halb so groß. 2021 erschien bereits der Roman "Kaßbergen" (BP/mp 22/430), der von der Lebensrealität der jugendlichen Ulrike Mitte der 70er-Jahre in der DDR handelt. Beste Empfehlung!
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Drei Sommer lang Paris
Patricia Holland Moritz
aufbau (2025)
426 Seiten
fest geb.