Veronica
Alison war ein Supermodell, jetzt lebt sie mit verlorener Seele und verlorener Gesundheit in ärmlichen Verhältnissen von Gelegenheitsjobs. In der Retrospektive erzählt sie ungeschönt und nicht selten zynisch von ihrem Weg ins Modeldasein und von
dessen Schattenseiten. Sie versucht sich auch im bürgerlichen Leben, studiert, sucht einen Job, will bei der Familie sein, aber immer wieder bricht Alison aus und wirft sich exzessiv in die Abgründe der Modewelt. Veronica ist auf den ersten Blick ganz anders, Korrekturleserin im mittleren Alter, ein biederer Job. Und doch ganz ähnlich. Sie hat ein exzentrisches Wesen mit einem bunten auch von Schicksalsschlägen geprägtem Leben, einer unglücklichen Beziehung und einer tödlichen Krankheit. Die beiden eigentlich ganz ähnlichen Frauen freunden sich an. Das Buch erzählt von ihrem Leben, endet mit Veronicas Tod und Alisons erneutem Versuch, ein geregeltes Leben zu führen. - In einer sehr kraftvollen Sprache erzählt Gaitskill aus Alisons Sicht heraus die Geschichte der beiden Frauen und ihrer lebenshungrigen, aber so schwer gelingenden Suche nach sich selbst. Kein leichtgängiger Lesestoff, der aber sicher ab mittleren Beständen seine Leser/-innen finden wird.
Dorothee Rensen
rezensiert für den Borromäusverein.
Veronica
Mary Gaitskill ; aus dem Amerikanischen von Daniel Schreiber
Blumenbar (2022)
301 Seiten
fest geb.