Die Wolkenstürmerin
Die Sucht vom Fliegen und die Sehnsucht nach Liebe über politische Grenzen hinaus – das ist der Kern des Romans der erfolgreichen Autorin Birgit Zimmermann. Marlene Lilienthal gehört nach dem Unfalltod ihrer Eltern die nunmehr in rote Zahlen gerutschte
Flugzeugbaufirma in Schleswig-Holstein. Nach ihrem Willen soll sie am liebsten wieder als „Flugtaxiunternehmen“ erfolgreich werden. Ihre eigene Umgebung versteht ihren Wunsch aber nicht, denn 1957 gehören „Frauen in die Küche“ und nicht in einen Flieger - doch sie setzt sich durch. Beim Spazieren am Ostseestrand lernt sie einen mysteriösen Fremden kennen und verliebt sich Hals über Kopf in Bernhard. Wie sich herausstellt, stammt er aus Ostdeutschland. Als er in den folgenden Wochen nicht mehr auftaucht, sucht sie ihn nach einer abenteuerlichen Eisenbahn- und Taxifahrt selbst in Wismar. Damit ein Zusammenbleiben nicht noch komplizierter oder gar durch die Stasi verhindert wird, steht der Fluchtplan: Über die Hoheitsgewässer der DDR hinausschwimmen und an Bord ihres westdeutschen Wasserflugzeugs nehmen! Ausgerechnet am 7.Oktober 1957, dem Nationalfeiertag der DDR, gelingt die dramatische Rettungsaktion. Eine prickelnde Mischung aus Fliegen, Frauenemanzipation und Liebe - gewürzt mit Kaltem-Krieg-Flair, deutscher Teilung, Stasi und Flucht über die Ostsee.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Wolkenstürmerin
Birgit Zimmermann
HarperCollins (2022)
365 Seiten
kt.