Am Ende des Seils
Es gab nicht wenige Versuche, die zum Tod führten, bis es 1938 einer Viererseilschaft um den Bayern Anderl Heckmair gelang, in drei Tagen auf dem Weg durch die Eiger Nordwand ("Mordwand") den Gipfel zu erreichen. Vor diesem Hintergrund und dem politischen
Hintergrund des Nationalsozialismus spielt der ungewöhnliche Roman. Eine der Hauptpersonen ist die junge Bergführerin Hedi, die zu Beginn auf den Wendelstein steigt, um in der Gipfelkapelle mit zwei Kerzen an ihre Eltern zu denken, die vor einem Jahr bei einem Autounfall zu Tode gekommen waren. Als sie zum Hof ihrer Großeltern zurückkommt, liest sie in der Zeitung, dass eine italienische Viererseilschaft plant, die Erstbesteigung der Eigernordwand in Angriff zu nehmen. Hedi will ihnen zuvorkommen. Der Leitner Anderl ist sofort für ihren Plan zu haben und will seinen Bruder Thomas fragen, ob er dazu mit ihnen eine Seilschaft bilden würde. Dazu noch der Hias, dann wären sie eine tolle Gruppe. - Beim Lesen des fesselnden Buchs glaubt man immer wieder fast, dass es sich um einen Tatsachenbericht und nicht um einen fiktiven Roman handelt. Zusätzlich zu den bergsteigerischen Schilderungen sind immer wieder auch die zwischenmenschlichen Beziehungen interessant. Darüber hinaus bringt der Nationalsozialismus negative Facetten. Als Leser wird man gefühlsmäßig angesprochen, wobei die Gefühle in der ganzen Bandbreite von Angst, Freude und Glück hin- und herschwingen. Ein toller Roman, den man am liebsten nicht mehr aus der Hand legen würde, wenn man einmal angefangen hat, ihn zu lesen.
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Am Ende des Seils
Birgit Zimmermann
HarperCollins (2023)
382 Seiten
kt.