Das Gedächtnis des Winters
Im eiskalten Kriegswinter 1941 errichtet eine deutsche Sanitätseinheit, zu der der Chirurg Paul Bauer gehört, ein Lazarett in Jasnaja Poljana, dem einstigen Landgut Tolstois. Bis zur Erschöpfung arbeiten Ärzte und Sanitäter unter schlechten Bedingungen,
um die vielen sterbenden und verletzten Soldaten zu versorgen. Paul Bauer trifft die Verwalterin des Landguts, die Schriftstellerin Katerina, die die deutschen Besatzer mit Verachtung straft und sich dennoch auf literarische Gespräche mit Paul Bauer einlässt. Gegen ihren Willen verlieben sie sich und haben doch keine Hoffnung, einmal zusammenzukommen. Sie konfrontiert ihn damit, dass „es in der gesamten aufgezeichneten Menschheitsgeschichte nur zwei Männer gibt, Hitler und Napoleon, die nicht wussten, wie kalt der russische Winter ist“. Was den Roman besonders auszeichnet sind die Parallelen der aktuellen Situation und Tolstois Roman "Krieg und Frieden". Die Grausamkeiten des Krieges, die psychischen Belastungen der Soldaten werden drastisch und detailliert geschildert, ebenso die Amputationen, der Hunger, die Erfrierungen. Trotz aller Grausamkeiten berührt die Geschichte zweier Menschen, die sich in ihrer hoffnungslosen Situation in die Literatur flüchten. Vor allem Tolstoi-Fans unbedingt zu empfehlen!
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Gedächtnis des Winters
Steven Conte ; aus dem Englischen von Joannis Stefanidis
HarperCollins (2022)
447 Seiten
fest geb.